Balkonkraftwerk: Wann sich die Investition lohnt

Ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt kostet 500 bis 900 Euro und erzeugt je nach Standort 600 bis 850 Kilowattstunden im Jahr. Bei einem Strompreis von 35 Cent entspricht das einer Ersparnis von 180 bis 350 Euro jährlich.

Ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt, hängt an drei Größen: dem Strompreis, dem Eigenverbrauchsanteil und der Ausrichtung. Der folgende Vergleich zeigt, wann die Rechnung aufgeht und wann nicht.

Die Grundrechnung

Ein Balkonkraftwerk erzeugt Solarstrom, der direkt im Haushalt verbraucht wird. Was Sie selbst nutzen, müssen Sie nicht einkaufen. Was Sie nicht nutzen, fließt ohne Vergütung ins Netz.

Genau darin liegt der Unterschied zur großen Photovoltaikanlage: Bei einem Balkonkraftwerk zählt fast ausschließlich der Eigenverbrauch.

Kennzahl Typischer Wert
Anschaffung 800-Watt-Set 500 bis 900 €
Jahresertrag bei Südausrichtung 700 bis 850 kWh
Jahresertrag bei Ost- oder Westausrichtung 550 bis 700 kWh
Jahresertrag bei Nordausrichtung unter 350 kWh
Eigenverbrauchsanteil ohne Speicher 50 bis 70 %
Eigenverbrauchsanteil mit Speicher bis 90 %
Ersparnis pro Jahr 180 bis 350 €
Amortisation 3 bis 6 Jahre

Ein Balkonkraftwerk erzeugt je nach Ausrichtung sehr unterschiedliche Mengen Solarstrom.

Die Rechnung im Detail: Ein Balkonkraftwerk erzeugt 700 kWh im Jahr. Bei 60 Prozent Eigenverbrauch nutzen Sie davon 420 kWh selbst. Bei 35 Cent pro kWh sparen Sie 147 Euro. Bei Anschaffungskosten von 600 Euro amortisiert sich das nach gut vier Jahren.

Die Module halten 20 bis 25 Jahre. Nach der Amortisation ist der Rest Ersparnis.

Balkonkraftwerk mit oder ohne Speicher?

Diese Frage entscheidet stärker über die Wirtschaftlichkeit als die Modulleistung. Der Grund ist der Eigenverbrauch.

Ein Balkonkraftwerk erzeugt Solarstrom mittags, wenn viele Haushalte wenig verbrauchen. Der Ertrag fließt dann ungenutzt ins Netz. Ein Speicher verschiebt ihn in den Abend.

Ohne Speicher Mit Speicher
Anschaffung 500 bis 900 € 1.200 bis 1.800 €
Eigenverbrauch 50 bis 70 % bis 90 %
Genutzter Strom bei 700 kWh Ertrag 350 bis 490 kWh bis 630 kWh
Ersparnis pro Jahr 120 bis 170 € 190 bis 220 €
Amortisation 3 bis 6 Jahre 6 bis 9 Jahre

Der Speicher erhöht die Ersparnis, verlängert aber die Amortisationszeit deutlich.

Rein rechnerisch lohnt sich ein Balkonkraftwerk ohne Speicher schneller. Der Speicher wird dann interessant, wenn Sie tagsüber außer Haus sind und den erzeugten Solarstrom sonst gar nicht nutzen könnten, oder wenn der Strompreis deutlich über 40 Cent liegt.

Wer den eigenen Tarif ohnehin prüfen will: Der Strompreis ist die Größe, die die gesamte Rechnung bestimmt. Steigt er, amortisiert sich die Anlage schneller. Wer parallel den passenden Stromtarif finden lässt, senkt die Restkosten für den Strom, den das Balkonkraftwerk nicht liefert, und das sind immer noch 70 bis 80 Prozent des Jahresverbrauchs.

Für welche Haushalte es sich lohnt

Nicht jede Wohnung eignet sich. Diese Punkte entscheiden:

Ausrichtung. Süd ist optimal, Ost und West liefern rund 20 Prozent weniger, sind dafür aber gleichmäßiger über den Tag verteilt und erhöhen dadurch den Eigenverbrauch. Nord lohnt sich nicht.

Verschattung. Ein Baum, ein Nachbarbalkon oder ein Vordach senken den Ertrag überproportional. Schon eine teilweise verschattete Zelle reduziert die Leistung des ganzen Moduls.

Grundlast im Haushalt. Kühlschrank, Router, Standby-Geräte laufen dauerhaft und ziehen 100 bis 200 Watt. Diese Grundlast wird tagsüber komplett vom Balkonkraftwerk gedeckt. Je höher sie ist, desto besser die Bilanz.

Anwesenheit tagsüber. Wer im Homeoffice arbeitet, verbraucht den Solarstrom direkt und erreicht Eigenverbrauchsquoten über 70 Prozent.

Neigungswinkel. 30 bis 35 Grad sind optimal. Senkrecht am Geländer montierte Module liefern etwa 25 Prozent weniger als aufgeständerte.

Für einen Zweipersonenhaushalt mit 2.800 kWh Jahresverbrauch und Südbalkon ergibt sich eine Ersparnis von rund 150 bis 200 Euro pro Jahr, also 5 bis 7 Prozent der Stromrechnung.

Was rechtlich gilt

Die Regeln wurden in den vergangenen Jahren deutlich vereinfacht:

  • Anmeldung nur noch im Marktstammdatenregister. Die Meldung beim Netzbetreiber entfällt, die Registrierung dauert wenige Minuten.
  • Bis 800 Watt Wechselrichterleistung gelten die vereinfachten Regeln, die Modulleistung darf bis 2.000 Watt betragen.
  • Schukostecker ist zulässig. Eine spezielle Einspeisesteckdose ist nicht mehr vorgeschrieben.
  • Mieter und Eigentümer haben einen Anspruch auf Zustimmung zur Installation, sofern keine gewichtigen Gründe dagegensprechen.
  • Rückwärtsdrehende Zähler werden geduldet, bis der Netzbetreiber einen modernen Zähler einbaut.

Die Registrierung erfolgt über das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Wer sie versäumt, riskiert ein Bußgeld, auch wenn die Praxis bisher zurückhaltend ist.

Bei Mietwohnungen sollten Sie die Zustimmung schriftlich einholen, auch wenn der Anspruch besteht. Das erspart Diskussionen beim Auszug.

Der Vergleich mit anderen Sparmaßnahmen

Ein Balkonkraftwerk ist nicht der einzige Weg, die Stromrechnung zu senken. Im Vergleich schneidet es so ab:

Maßnahme Investition Ersparnis pro Jahr Amortisation
Stromanbieter wechseln 0 € 150 bis 400 € sofort
Balkonkraftwerk 800 W 600 € 150 bis 250 € 3 bis 5 Jahre
Alten Kühlschrank ersetzen 500 € 60 bis 120 € 4 bis 8 Jahre
Standby-Verbraucher abschalten 20 € 40 bis 90 € unter 1 Jahr
Balkonkraftwerk mit Speicher 1.500 € 190 bis 220 € 6 bis 9 Jahre

Der Tarifwechsel bringt sofort mehr als jede Anschaffung, schließt ein Balkonkraftwerk aber nicht aus.

Die sinnvolle Reihenfolge ist damit klar: erst der Tarif, dann die Standby-Verbraucher, dann das Balkonkraftwerk. Wer umgekehrt vorgeht, investiert 1.500 Euro und zahlt weiterhin den Grundversorgungstarif.

Wann sich ein Balkonkraftwerk lohnt

  • Bei Süd-, Ost- oder Westausrichtung ohne wesentliche Verschattung.
  • Wenn Sie tagsüber zu Hause sind oder eine hohe Grundlast haben.
  • Bei einem Strompreis über 30 Cent pro Kilowattstunde.
  • Wenn Sie die Anlage mindestens fünf Jahre nutzen, also nicht kurzfristig umziehen.
  • Ohne Speicher, solange der Eigenverbrauch auch so über 50 Prozent liegt.

Bei Nordausrichtung, starker Verschattung oder einem geplanten Umzug innerhalb von zwei Jahren rechnet sich die Anschaffung nicht.

Wer die Zahlen für den eigenen Fall durchgehen möchte, findet in der Betrachtung dazu, ob sich Balkonsolaranlagen als Investition lohnen, einen zweiten Blickwinkel auf dieselbe Rechnung. Und wer generell überlegt, wo kleines Kapital am besten arbeitet, findet in der Einordnung zu Trading-Apps einen nüchternen Vergleich: Eine Rendite von 15 bis 25 Prozent, wie sie ein Balkonkraftwerk über die Amortisationszeit erreicht, ist an der Börse alles andere als garantiert.

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